Der Black Friday ist eine der großen Selbsttäuschungen unserer Zeit. Ein Ritual, das jedes Jahr wiederkehrt und so tut, als ginge es um günstige Preise, dabei geht es um etwas völlig anderes: die Illusion, klug gehandelt zu haben. Die Industrie hat einen Tag erfunden, an dem Menschen glauben sollen, sie würden sparen, obwohl sie in Wahrheit nur das Kaufen selbst feiern. Ein Einkaufsfest ohne Notwendigkeit, ohne Sinn, ohne jede Haltung. Hauptsache, der Warenkorb ist voll und das Gefühl stimmt.
Die Mechanik ist simpel. Die Preise werden vorher hochgesetzt, damit sie danach spektakulär sinken können. Produkte, die niemand braucht, werden mit Countdowns versehen, als stünde der letzte Schlag des Weltuntergangs bevor. Und plötzlich scheint es wichtig zu sein, irgendeinen Staubsauger, irgendeinen Monitor oder irgendeinen Mixer zu „retten”, bevor er wieder teurer wird. Ein künstlich erzeugter Wettlauf um Dinge, die im Alltag keinerlei Bedeutung haben.
Besonders absurd wird es dort, wo man es am wenigsten erwartet: in der Zauberszene. Ausgerechnet eine Kunstform, die vom Staunen, Wissen, Handwerk und Persönlichkeit lebt, brüllt an diesem einen Tag lauter als der restliche Handel zusammen. Dann trudeln Werbemails ein, die mit der gleichen Verzweiflung verfasst sind wie Discount-Gutscheine im Drogeriemarkt. Jedes Jahr das gleiche Lied: Black Friday, Black Week, Cyber Monday, Early Access. Und jedes Mal dieselben Produkte, dieselben Versprechen, dieselben Rabatt-Schlagzeilen, die so tun, als wäre Zauberei ein Ramschladen, den man einmal im Jahr groß räumen muss. Es ist die gleiche Maschinerie: künstliche Dringlichkeit, künstliche Knappheit, künstliche Euphorie.
Der Black Friday zeigt nicht die Großzügigkeit der Händler, sondern die Berechenbarkeit des Publikums. In der Zauberszene zeigt er zusätzlich, wie schnell selbst ein traditionelles Handwerk bereit ist, sich an die lauteste Werbemethode anzupassen, wenn diese nur genug Aufmerksamkeit verspricht. Dass viele dieser Händler das Wort „Black Friday” inzwischen häufiger verwenden als Begriffe wie „Struktur”, „Technik” oder „Routine”, sagt mehr über die Szene aus, als ihr lieb sein dürfte.
Vielleicht ist das das Traurigste an dieser Veranstaltung: dass sie gar nicht mehr überraschen muss, um zu funktionieren. Es reicht, sie einfach stattfinden zu lassen. Die Leute kommen schon. Auch in der Zauberei. Ein paar Prozentpunkte, ein Timer, ein fetter Schriftzug – und schon wirkt ein Plastikgimmick wie eine Offenbarung. Am Ende bleibt ein lautes, grelles und vollkommen leeres Spektakel, das genauso inflationär geworden ist wie die damit beworbenen Effekte.
Manchmal lohnt es sich, diesem Lärm einfach zuzusehen und festzustellen, dass nichts dahintersteckt außer der Hoffnung, dass jemand auf „Kaufen” klickt, bevor er nachdenkt.

