LEUCHTFEUER #1

Warum mehr Tricks dich schlechter machen

Kennst du das? Du siehst einen neuen Trick, und sofort weißt du: Den brauch ich. Du kaufst ihn, schaust die Erklärung, übst ein bisschen – und dann wandert er in die Schublade, zu den anderen fünfzig, die du „irgendwann mal“ zeigen wolltest.

Mir ging es genauso, jahrelang. Meine Sammlung wuchs, aber ich wurde nicht wirklich besser dadurch – ich hatte nur mehr Zeug.

Das ist eine der interessantesten Beobachtungen, die ich in vierzig Jahren gemacht habe: Die Zauberer mit den größten Sammlungen sind selten die fesselndsten Performer. Sie haben hunderte Effekte – und keinen einzigen, der wirklich unter die Haut geht.

Psychologen nennen das „Paradox of Choice“ – der Psychologe Barry Schwartz hat ein ganzes Buch darüber geschrieben. Je mehr Optionen wir haben, desto schwerer fällt uns die Entscheidung, desto weniger investieren wir in jede einzelne Option, und desto unzufriedener sind wir am Ende. Das gilt für Marmelade im Supermarkt genauso wie für Tricks in unserer Sammlung.

Dahinter steckt etwas, das wir alle kennen: die Sammler-Mentalität. Wenn ständig Neues reinkommt, bleibt keine Zeit, irgendetwas wirklich zu durchdringen. Wir kratzen an der Oberfläche von allem und tauchen nirgends richtig ein. Wir wissen zwar, wie viele Tricks funktionieren, aber wir verstehen noch nicht, warum sie funktionieren – und das Publikum spürt den Unterschied.

Die Menschen können es nicht benennen, aber sie merken, wenn etwas fehlt. Die Performance ist okay, aber sie berührt nicht.

Alle wirklich großartigen Zauberer, die ich kennengelernt habe, hatten etwas gemeinsam: ein überschaubares Repertoire. Fünf Tricks, zehn vielleicht. Aber jeder davon saß perfekt – nicht nur technisch, sondern in allem: im Timing, in der Präsentation, im Verständnis dessen, was im Zuschauer passiert. Tiefe statt Breite, und das war schon immer der bessere Weg.

Ich frage mich manchmal: Wie viele Tricks kann ich wirklich? Nicht: wie viele kenne ich – sondern wie viele könnte ich jetzt sofort zeigen, und sie würden berühren? Die Antwort ist ernüchternd, selbst nach vierzig Jahren. Aber sie ist auch befreiend.

Bis zum nächsten Mal,

Alexander

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