Ich schaue mir an, was aus der Zauberszene geworden ist, und manchmal werde ich müde davon. Nicht wütend – nur müde.
Die Produktvielfalt explodiert. Jeden Tag ein neuer Trick, jede Woche eine “Revolution”. Aber je lauter das Brimborium, desto leerer der Inhalt. Die meisten dieser Neuheiten sind Variationen bekannter Prinzipien, hübsch verpackt, oft schlecht verstanden, aber gut verkauft. Der Markt liebt Wiederholungen, solange sie sich als Innovation tarnen.
Früher haben wir uns mit Prinzipien beschäftigt, psychologische Mechanismen erforscht, Technik und Präsentation zu etwas Ganzem verbunden. Heute reicht ein Gimmick. Heute reicht ein Trailer. Wer zuerst veröffentlicht, gilt als Erfinder – egal, woher die Idee stammt.
Ich kenne das Gefühl, die eigene Idee bei jemand anderem wiederzufinden. Nicht als Hommage, sondern als Kopie. Die Stillen, die über Jahre feilen, sehen zu, wie ihre Arbeit in Tagen übernommen wird. Das System macht es möglich: Händler, die nicht nachfragen. Käufer, die nicht wissen wollen. Eine Kultur der Gleichgültigkeit.
Und dann die Blender-Ökonomie. Es kommt nicht mehr darauf an, was jemand kann, sondern wie überzeugend er sich verkauft. Ein selbstbewusstes Auftreten ersetzt Substanz, Lautstärke gilt als Beweis für Relevanz. Wer reflektiert, ist zu langsam. Wer differenziert, zu leise. Erfolg hat heute mehr mit Marketing zu tun als mit Können – und viele merken den Tausch nicht einmal.
Die Besten sind still geworden. Nicht aus Desinteresse, sondern aus Würde. Es ist anstrengend, gegen die Lautstärke anzureden. Sie arbeiten weiter – im Stillen, für sich, für die Kunst. Die Szene hat es kaum bemerkt.
Jeder nennt sich heute Künstler. Jeder, der ein Kartenspiel halten kann, spricht von seiner Kunst. Das Wort hat an Bedeutung verloren, weil es für alles benutzt wird. Die wirklich Begabten gehen unter, weil sie sich weigern, laut zu werden.
Die Geschichte der Zauberkunst verstaubt. Man benutzt Prinzipien, ohne zu wissen, woher sie kommen. Bücher werden durch Tutorials ersetzt, Forschung durch Klicks. Die großen Meister wussten, woher sie kamen – genau das war der Grund für ihren Stil. Heute fehlt vielen dieser Bezug.
Und die Vereine? Vielerorts Schleifen der Gewohnheit. Jeder kennt jeden, keine Überraschungen mehr. Wer Bewegung reinbringen will, hört: “War immer schon so.” Der Nachwuchs kommt, sieht und geht.
Was bleibt?
Vielleicht die Erkenntnis, dass Substanz Zeit braucht. Zweifel. Manchmal Rückschläge. Dass nicht alles, was wertvoll ist, auch viral geht. Dass die Stille, die viele meiden, der Anfang von allem ist, was Bestand hat.
Wer zu früh zeigt, verliert Tiefe. Wer zu viel zeigt, hat bald nichts mehr.
Vielleicht sollten wir wieder etwas nicht sagen, nicht posten, nicht erklären – sondern einfach arbeiten.


