Das Geheimnis ist nicht das Geheimnis
Die Zauberszene ist fasziniert von Geheimnissen: neue Methoden, neue Techniken, exklusive Moves. Die Foren sind voll davon, Händler verkaufen sie und in den Klubs wird stundenlang über sie diskutiert. Heerscharen von Zauberbegeisterten pilgern regelmäßig auf Kongresse, um sich die lang ersehnte Dosis Geheimnisse zu verabreichen.
Was wir dabei oft vergessen, ist, wie viel oder wenig das Publikum davon interessiert.
Ein Zuschauer fragt vielleicht höflich: „Wie hast du das gemacht?”, aber in Wahrheit will er es meist gar nicht wissen. Er fragt vielleicht, weil ihm keine andere Frage einfällt oder weil er nicht weiß, was er sonst sagen soll.
Was er wirklich will, ist etwas anderes: Er will das Gefühl des Staunens zurück. Dieses Gefühl, als das Unmögliche geschah, als für einen Moment seine Welt nicht mehr nach den üblichen Regeln funktionierte.
Das Geheimnis ist das Werkzeug, nicht das Produkt.
Stell dir vor, du gehst in ein Restaurant und fragst den Koch: „Bei welcher Temperatur hast du das Steak gebraten?” Das interessiert dich aber nicht wirklich. Du wünschst dir nur, dass es gut schmeckt. Die Temperatur ist das Werkzeug des Kochs (das Trickgeheimnis), für dich ist der Geschmack des Steaks interessant (der Effekt aus Zuschauersicht).
In unserer Szene verwechseln wir das manchmal. Wir behandeln Methoden wie Schätze, wir horten Geheimnisse, als wären sie das Ziel. Aber die Methode ist austauschbar. Es gibt meistens mehrere Wege, einen bestimmten Effekt zu realisieren, und das Publikum merkt keinen Unterschied. Es merkt nur, ob es gestaunt hat oder nicht.
Was wäre, wenn wir weniger nach besseren Geheimnissen suchen würden und stattdessen mehr danach, bessere Erlebnisse für die Zuschauer zu erschaffen?
Bis zum nächsten Mal,
Alexander

