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LEUCHTFEUER #14
Wer kopiert, gewinnt
Es ist eine vertraute Szene: Ich sitze zu Hause, habe die Kopfhörer auf und spiele ein Stück nach, ohne dass mir jemand zuhört. Mit dem Bass auf dem Schoß und einer Aufnahme eines meiner Idole auf dem Bildschirm versuche ich, das Stück genauso nachzuspielen, wie es dort gespielt wird. Ich trete nirgends auf und präsentiere nichts – ich übe das Lied nur für mich. Der Maßstab ist dabei nicht „Wie klinge ich vor Publikum?”, sondern einzig „Wie nah komme ich an genau diese eine Aufnahme heran?” Auf diesem Weg lerne ich Dinge, die mir der normale Unterricht in dieser Form nie vermittelt hat – und genau dasselbe Prinzip funktioniert auch in der Zauberei.
Ich will damit niemanden schlechtmachen, weder meine Bass-/Boxlehrer noch meine Vorbilder in der Zauberkunst. Ein guter Lehrer ist schließlich unbezahlbar und jeder Unterricht gestaltet sich anders. Im Regelunterricht bekommst du in erster Linie Regeln an die Hand: Fingerlage, Skalen, Übungsfiguren, Tipps zur Haltung. All das ist wichtig, keine Frage. Was im normalen Unterricht aber oft zu kurz kommt, ist das „Warum“ im Klang: Warum sitzt eine bestimmte Note einen Hauch früher, warum holt eine Phrase ausgerechnet an dieser Stelle Luft und warum wirkt dieselbe Tonfolge bei dem einen Spieler perfekt und bei dem anderen eben nicht? Du bekommst die Vorschriften und Regeln, aber selten die musikalische Absicht dahinter vermittelt. Das hat natürlich auch mit der zur Verfügung stehenden Zeit im Regelunterricht zu tun.
Genau diese Absicht wird beim bewussten Kopieren freigelegt.
Wenn ich vom Kopieren spreche, meine ich keine Öffentlichkeit, keine Instagram-Show und kein „Schaut mal, ich kann das auch”. Ich meine etwas vollkommen Privates. Ich höre eine Passage so oft, bis sie mir nicht nur bekannt vorkommt, sondern bis ich tatsächlich höre, wo der Groove sitzt, wohin die Finger greifen und an welcher Stelle meine eigene Version noch schummelt. Dann gleiche ich ab, langsamer als das Original, in Loops und manchmal lächerlich pedantisch, bis der Unterschied zwischen Vorbild und meiner Variante nach und nach verschwindet und ich ihn auch benennen kann.
Damit ist es kein stilles Bewundern mehr, sondern Arbeit unter direkter Beobachtung des Vorbilds. Dabei passiert etwas, das mir kein Lehrbuch der Welt geben kann. Ich zerlege die Entscheidungen eines anderen Musikers in ihre Einzelteile und probiere jede davon an mir selbst aus. Was vorher einfach „magisch” klang, wird auf einmal zu einer Reihe greifbarer Details, die ich anpacken und gegebenenfalls auch ändern kann.
Oft sind es die Nuancen, die sich im Unterricht schwer vermitteln lassen, weil sie nicht im Notenblatt vermerkt sind. Mikrozeit und Artikulation, die Frage, wie stark eine Saite gegriffen wird, wie offen oder gedämpft sie nachklingt und ob ein Ton ganz knapp vor dem Beat sitzt oder bewusst dahinter. Diese Dinge lassen sich zwar einzeln üben, aber sie ergeben für mich erst dann ein zusammenhängendes Bild, wenn ich sie mit einem konkreten Klangvorbild abgleichen muss.
Der eigentliche Lerneffekt liegt jedoch an einer anderen Stelle. In diesem Modus gibt es keine Schritt-für-Schritt-Anleitung, niemand sagt mir, welches Rädchen ich als Nächstes drehen soll. Ich muss das alles selbst herausfinden: durch genaues Hinhören, durch Vermutungen, durch ständige Korrekturen und sehr oft auch durch Versuch und Irrtum. Und genau das, was ich mir auf diesem Weg selbst erarbeite, sitzt später tiefer als alles, was mir jemand fix und fertig serviert, weil ich den Weg eben selbst gegangen bin – mitsamt der Sackgassen, die unterwegs immer wieder dazugehören.
Solange meine Kopie noch nicht perfekt ist, muss ich deutlich genauer hinhören als beim normalen Üben. Genau diese geschärfte Aufmerksamkeit ist der eigentliche Gewinn – nicht die perfekte Kopie.
Das ersetzt natürlich nicht die Grundlagen wie Timing, Theorie oder eine saubere Ausführung der Tricktechniken. All das muss weiterhin sitzen, und das Kopieren ergänzt diese Arbeit. Noch etwas: Wenn du dich nur gedankenlos mit Details vollstopfst und sie nie wirklich verdaust, bleibst du an der Oberfläche der Nachahmung stehen. Irgendwann musst du dich also entscheiden, was du mit der erworbenen Technik anfängst und wie du sie in deine eigene Arbeit einbaust. Sehr oft weiß man erst dann, wie man es selbst besser machen kann, wenn man vorher im Detail studiert hat, wie andere ihre Sache lösen.
Genau dasselbe Muster greift auch bei Zauberroutinen. Dabei interessiert mich nicht in erster Linie die Abfolge der Handlungen – die muss ich sowieso beherrschen, wenn ich die Routine vorführen will –, sondern die kleinen Entscheidungen des Vorbilds: Wo genau sitzt eine Pause? Warum wirkt eine bestimmte Phrase beim Publikum so oder so? Und warum erzeugt eine Bewegung Verdacht, während eine andere ihn zerstreut? Wenn ich das in einem Referenzvideo oder einer Live-Aufnahme nachverfolge, kopiere ich nicht, um es danach genauso zu zeigen, sondern um zu verstehen, wie die Routine eigentlich gedacht ist.
Wer kopiert, gewinnt also nicht automatisch die vollständige Beherrschung eines Effekts oder einer Technik. Aber er gewinnt sehr oft Klarheit darüber, was der andere mit seiner Routine tatsächlich tut und warum sie beim Zuschauer so wirkt.
Für mich ist das deshalb kein Plagiat, sondern ein stilles Studieren, getragen von meinem festen Vorsatz, nicht eher aufzuhören, bis ich den Unterschied sehen und erklären kann. Und genau das, was ich dabei für mich herausgefunden habe, baue ich anschließend in die Arbeit ein, die ich später vor Publikum zeige.
Neuigkeiten aus dem Leuchtturm
Dieser Newsletter ist einen Tag zu spät, geschuldet einer für mich nicht nachvollziehbaren Erkältung/Infektion/Sommergrippe (?), die mich fast eine Woche ausser Gefecht gesetzt hat. Ich habe die etwas ruhigere Sommerzeit genutzt, um meinen Shop komplett neu aufzubauen. Die immer komplizierter umzusetzenden rechtlichen Vorgaben (zuletzt z. B. die neue Verpackungsregeln) und die Umsetzung der entsprechenden Stolperfallen in einem großen kommerziellen Shop-System waren mir als Ein-Mann-Band dann einfach zu viel. Somit habe ich mich entschlossen, den Shop von Grund auf neu selbst zu programmieren und aufzubauen, was mir die Arbeit erleichtert und mir die volle Kontrolle über alles gibt. So ist es leichter, die notwendigen rechtlichen Gegebenheiten einzubauen.
Abgesehen davon bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass ich als Kleinunternehmer, der im Prinzip nur seine eigenen Kreationen und Dienstleistungen anbietet, kein Shop-System brauche, das eigentlich für mittelständische oder große Unternehmen vorgesehen ist. Das hieße, mit Kanonen auf Spatzen zu schießen.
Jetzt bin ich in der Testphase, die ich gleich live mit euch, meinen Kunden, ausprobiere. Ich freue mich über jegliches Feedback zu technischen Problemen. Ich freue mich aber auch über eure Wünsche, was ihr in meinem kleinen Shop gerne haben würdet, denn ich programmiere hier alles von Hand und kann somit das meiste wahrscheinlich auch (zeitnah) umsetzen.

Das SUB ROSA Projekt
Mein neues SUB ROSA Projekt startet gerade so, wie geheime Gesellschaften eben starten: nicht mit Fanfare, sondern mit einer Handvoll Eingeweihter. Das finde ich ehrlich gesagt ganz passend. Trotzdem wäre es schön, wenn noch ein paar Zauberfreunde dazukommen, bevor ich entscheide, ob wir am geplanten Termin (Anfang August) loslegen oder den Vorhang erst Anfang September lüften.
Falls du also schon länger mit dem Gedanken spielst: jetzt wäre ein guter Moment. Geheimprojekte werden bekanntermaßen nicht besser, wenn man ewig draußen bleibt und nur zusieht. Und es hat Gott sei Dank ja keine Eile...
ZOOM Masterclasses
Und noch kurz zu den Masterclasses über Zoom: Im alten Shop war das mit den Terminen irgendwann ein ziemliches Durcheinander. Deshalb gibt es jetzt eine klarere Lösung – schaut euch das bitte im Shop an. Jeder Termin ist ein eigener Artikel, deutlich mit Datum gekennzeichnet. So sollte das Chaos ein für alle Mal vorbei sein.
Jetzt mache ich mich wieder daran, den Shop mit Artikeln zu füllen – lohnt sich also, in kurzen Abständen nochmal vorbeizuschauen.
Bis zum nächsten Mal,

Zum neuen -> SOLIDMAGIC SHOP
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