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LEUCHTFEUER #18
Die Kleidung des modernen Magiers
{briefanrede},
die Zeiten ändern sich – ebenso wie die Mode. Was früher als Kleiderordnung galt, hat sich gewaltig verändert. Es ist alles lockerer und legerer geworden. Das hat Vor-, aber auch Nachteile. Sie zeigen sich vor allem bei der Organisation der Taschen, bei Hilfsmitteln wie dem TOPIT und bei Techniken wie dem Sleeving.
Ein Beispiel ist die klassische Brieftasche. So gut wie niemand trägt heute eine große Brieftasche in der inneren Jackentasche – außer Zauberern. Der Trend geht schon lange zur „Hip Wallet“, also einer kleinen Geldbörse mit Fächern für Plastikkarten, die in der Gesäßtasche oder einer der vorderen Hosentaschen getragen wird. Damit fallen viele der klassischen Ladetechniken weg. Die waren für den Anzug gedacht. Mit der Kleidung von heute lassen sie sich nicht mehr machen. Trotzdem tun manche noch so, als hätte sich an der Garderobe nichts geändert.
Ein Großteil der Literatur mit Klassikern wie dem Becherspiel ging von anderen Kleidungsvoraussetzungen aus. Früher waren Herrenanzüge weiter und großzügiger geschnitten, sodass zwei kleine Zitronen in der Seitentasche gar nicht auffielen. Man konnte die Abschlussladungen also problemlos aus dem Anzug heraus realisieren. Dasselbe gilt für die Hosenschnitte und die Taschen. Eine Bundfaltenhose bietet nun mal einen gewissen Stauraum.
Ganz im Gegensatz zu den Slim-Fit-Anzügen, die seit einigen Jahren populär sind, die Silhouette betonen und sehr eng am Körper anliegen. Voluminöse Abschlussladungen darin unsichtbar unterzubringen ist nicht möglich. Selbst ein einziges Kartenspiel kann schon problematisch sein. Der klassische Kartenspielaustausch in der Tasche ist undenkbar, ebenso bewährte Techniken wie das Taschenschreiben. Ein TOPIT in so einem Anzug ist sehr problematisch. Und Sleeving in einem engen Ärmel auch.
Was tun? Die Techniken anpassen – nicht welche, die für einen anderen Schnitt gedacht waren und dort funktionierten, gedankenlos auf die heutige Mode anwenden.
Was das speziell für die Abschlussladungen beim Becherspiel bedeutet: Die Ladungen sollten ausgelagert werden. Das erfordert neue Routinenkonstruktionen und die Überlegung, welche Ablagemöglichkeiten sich auf der Bühne oder der Vorführfläche bieten. Allerdings muss das sehr genau durchdacht sein. Sonst heißt es hinterher: „Na ja, die hat er einfach aus der Ledertasche geholt und irgendwie unter die Becher gebracht …“
Es gibt aber schon ein paar gute alternative Techniken.
So hat Silvester the Jester beispielsweise ein TOPIT erfunden, das ohne Jackett auskommt. Die Öffnung der geheimen Tasche wird durch die Hosenträger sehr raffiniert kaschiert. Was man dort hineinwirft, liegt danach seitlich an der Taille.
Es gab auch einmal ein sehr brauchbares Mini-TOPIT, das Mike Ammar herausgebracht hat und das man einfach ins Hemd eingeknöpft hat. Die Knopfleiste des Hemds ist dann die Öffnung des TOPITs, und es sind wirklich tolle und täuschende Manöver damit möglich. Vor allem braucht man überhaupt kein Jackett dazu.
Greg Wilsons „Pit Stop“ ist ein hervorragendes Konzept, um die vorderen Taschen einer Jeans wie eine Servante benutzen zu können. Es eignet sich vor allem für kleinere Objekte wie Münzen, eine Daumenspitze usw.
Auch ein starker Magnet in einer der Gesäßtaschen einer Jeans kann dasselbe leisten. Das Konzept ist uralt und wurde von einigen Zauberern „neu erfunden“ – ich würde eher sagen: wiederentdeckt. Bei richtigem und überlegtem Einsatz kann das eine sehr starke Technik sein. Den Gegenstand ganz verschwinden lassen kann man damit nicht, aber man kann ihn für einen Moment aus dem Sichtfeld bringen. Natürlich kann das Objekt nicht ewig dort hängen und muss so schnell wie möglich beiseitegebracht werden. Der Magnet-Holdout – ich nenne es jetzt einfach mal so – ist eine temporäre Ablage, eine Zwischenablage, kein fixer Ablageort.
Die Pouchette ist eine kleine Tasche, die hinten am Bein in Höhe der Fingerspitzen eingearbeitet ist. Auch sie ist ein uraltes Hilfsmittel. Zu viktorianischen Zeiten, als der Frack für Zauberer Pflicht war, gehörte sie zur Standardausrüstung. Sie wurde von den Frackschößen bedeckt und war unsichtbar. Die Herausforderung heute: die kleine, aber ungemein hilfreiche Tasche an modernen Hosen oder Jeans unsichtbar zu machen. Ich habe dafür schon tolle Lösungen gesehen, vor allem im Zusammenhang mit den Cargohosen, die immer akzeptierter werden.
Und die gute alte Bodyservante – eine Servante vorne im Hosenbund – kommt nun wieder in die engere Auswahl, vorausgesetzt, man ist schlank genug. Auch sie stammt aus der Frackzeit. Damals war eine Servante in der Weste sozusagen Pflicht.
Zur Taschenorganisation. Wenn man zum Beispiel wie Juan Tamariz in einer einfachen Jeans mit Weste auftritt und ein Kartenspiel austauschen möchte, geht das mit koordinierten Bewegungen über die beiden Gesäßtaschen wunderbar. Tamariz hat das eindrucksvoll bewiesen.
Eine wirkungsvolle Strategie ist: „Pickup load beats body load.“ Das hat Geoffrey Buckingham schon in seinem Buch über Manipulation geschrieben. Die Ladung wird aufgenommen, wenn beispielsweise ein Gegenstand in eine Ablage gelegt wird. Danach folgt ein heimlicher Palmagetransfer – was ich immer gerne als „Load Shifting“ bezeichne – und man hat eine Alternative, ohne den Gegenstand aus der Tasche greifen zu müssen.
Ich spiele bereits mit dem Gedanken, einen Seminarvortrag zum Thema „Die Kleidung des modernen Zauberkünstlers“ zu halten. Die Mode zwingt uns zu anderen Wegen, und das ist nicht einfach. Es hat aber auch etwas Gutes: Endlich ist Schluss mit übermäßig vollgestopften Taschen, die niemanden täuschen – außer den Zauberer selbst.

Neues AdC Seminar: SESSION
Es ist soweit: Ich habe ein neues Seminar zusammengestellt, mit dem Titel SESSION. Session bedeutet z. B. in der irischen Musik, dass mehrere Musiker sich zusammen setzen und zusammen die typischen irischen Lieder spielen: Jigs, Reels, Hornpipes usw. Das sind in der Regel bunt gemischt Musikstücke, und deswegen finde ich den Titel für mein neues Seminar passend: viele neue Tricks und Ideen aus (fast) allen Bereichen der Magie, in gewohnter AdC Qualität. Alles Dinge, die in der Praxis funktionieren, nicht allzu schwer sind und vor allem beim Publikum gut ankommen. Wer mich kennt, weiß, dass ich größten Wert auf das "Keep it Simple!" Prinzip lege, und dem bleibe ich auch im neuen Seminar treu.
Die Premiere findet am 9. November 2026 beim Magic Cercle in Wien statt. Anfragen und Buchungen werden ab sofort entgegengenommen, einfach eine E-Mail an office@solidmagic.org senden. Ich würde mich freuen, wenn wir wieder eine kleine Seminartour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz realisieren könnten.
SUB ROSA Projekt ist noch offen für Anmeldungen
Mein Projekt SUB ROSA nimmt noch Anmeldungen entgegen, wir haben noch nicht angefangen. Wie gesagt, es eilt mir nicht, und ich möchte nur wirklich interessierte Zauberfreundinnen und Zauberfreunde dabeihaben. Hier bekommt ihr mehr Infos: http://vault.solidmagic.org/.

MASTERCLASSES mit Alexander de Cova
Es scheint sich langsam herumzusprechen, wie wertvoll meine Masterclasses sind. Es ist eine sehr gute Form, viel geballtes Wissen in kurzer Zeit online zu vermitteln. Auf der Webseite findet ihr alle angebotenen Termine: https://solidmagic.org/de/academy.

Bis zum nächsten Mal,

Zur neuen -> SOLIDMAGIC Webseite
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