Wozu?

Es gibt Momente, in denen man innehält und sich fragt: Wofür eigentlich? Wofür all die Jahre des Tüftelns, Schreibens, Entwickelns und Publizierens? Wofür die unzähligen Stunden, in denen man Ideen bis zur Erschöpfung durchkaut, nur um sie irgendwann auf einer Bühne, in einem Buch oder in einem Produkt anderen zugänglich zu machen? Die ehrliche Antwort ist: aus Liebe. Aus purer, naiver Liebe zur Zauberkunst. Weil man das Gefühl hat, etwas beitragen zu wollen. Weil man glaubt, dass die eigene Arbeit die Szene ein Stück weiterbringen kann.

Doch Liebe allein ist ein schlechter Vertragspartner. Wer lange genug in dieser Szene unterwegs ist, merkt schnell, dass sich Idealismus und Realität nur selten berühren. Man investiert Herzblut, während andere nur ihre Meinung investieren. Man steckt Jahre in die Entwicklung eines Effekts, einer Routine, einer Idee – und kaum ist sie draußen, kursieren Kopien, Varianten und plumpe Nachbauten, als hätte es die Mühe nie gegeben. Das Wort „Inspiration“ dient dann als Feigenblatt für Diebstahl. Der Respekt für geistige Arbeit? Meist Fehlanzeige.

Ich habe aufgehört, mich darüber zu wundern. Es ist zu verbreitet, zu alltäglich. Was bleibt, ist eine leise Bitterkeit, die mit der Zeit wächst. Nicht, weil man nicht anerkannt wird – Anerkennung war nie das Ziel –, sondern weil die Ehrlichkeit und die Arbeit, die man hineingibt, in einem kulturellen Kurzzeitgedächtnis verschwinden. Die Szene feiert heute und vergisst morgen. Während neue „Kreatoren” laut trommeln, werden diejenigen, die wirklich etwas beigetragen haben, in Nebensätze geschoben oder einfach ignoriert.

Es ist ein seltsames Gefühl, gleichzeitig Teil einer Kunstform zu sein und doch immer wieder das Gefühl zu haben, gegen ihre Schattenseiten kämpfen zu müssen. Die Zauberei lebt von Ideen, behandelt ihre Ideengeber aber oft wie Verbrauchsmaterial. Solange man liefert, wird man geduldet. Sobald man jedoch unbequem wird, Kritik äußert oder sich gegen geistigen Diebstahl wehrt, ist man plötzlich schwierig, arrogant oder „nicht mehr zeitgemäß“. So einfach ist das Etikettenspiel.

Ich habe viele gesehen, die irgendwann leiser wurden. Menschen, die mit Leidenschaft dabei waren, sich aber irgendwann zurückzogen, weil sie diese ewige Mischung aus Undankbarkeit, Selbstbeweihräucherung und Kleingeistigkeit nicht mehr ertragen konnten. Und es sind nicht die Schwachen, die gehen. Es sind die, die verstanden haben, dass man sich selbst treu bleiben muss, wenn man ernsthaft Kunst betreiben will.

Was mich betrifft, ich mache weiter. Aber nicht mehr nur für die Szene und die Zaubererklubs. Ich mache es für mich und für diejenigen, die verstehen, und für die wenigen, die zuhören, statt zu bewerten. Ich schreibe, entwickle und veröffentliche nicht, um Teil einer Gemeinschaft zu sein, die den Unterschied zwischen Substanz und Lautstärke verlernt hat. Ich tue es, weil ich die Kunst liebe. Weil sie mich seit meiner Kindheit begleitet, mich herausfordert und mich zwingt, genauer hinzuschauen.

Vielleicht ist das der Preis, den man zahlt, wenn man etwas wirklich liebt: Man verliert die Illusion, dass alle anderen es genauso ernst meinen. Aber man gewinnt die Freiheit, es trotzdem zu tun – ohne Applaus, ohne Likes, ohne Anerkennung. Nur aus Überzeugung. Und das ist vielleicht das Ehrlichste, was einem in dieser seltsam lärmenden und immer gleichen Szene bleiben kann: die Ruhe, weiterzumachen, während der Rest redet.

    0
    Dein Warenkorb
    Dein Warenkorb ist leer.Zurück zum Shop
    Nach oben scrollen